Im Frühjahr 2025 erhielt die Pollichia durch Schenkung eines Mitgliedes der Ortsgruppe Edenkoben eine ca. 2500 m² große Weinbergsfläche am Ortsrand von Edesheim. Dafür an dieser Stelle herzlichen Dank!

Ziel war es, diese Fläche aus der weinbaulichen Nutzung herauszunehmen und durch die Ortsgruppe Edenkoben in eine Naturfläche umzugestalten.

Insgesamt ist in der Gemarkung Edesheim und auch der weiteren umliegenden Gemeinden durch die intensive weinbauliche Nutzung die Landschaft weitgehend ausgeräumt. Nur gelegentlich stehen noch einzelne Bäume oder durch die Flurbereinigung angelegte kleine Grüninseln. Eine Vernetzung von Biotopen gibt es nur noch entlang des meist durch Ackerflächen oder Wege eingeengten Modenbachs.

 Die Frage stellte sich, macht es Sinn in einer solch ausgeräumten Landschaft eine Naturfläche zu entwickeln oder sollte sich die Ortsgruppe nicht besser auf ihre Flächen am Haardtrand konzentrieren. Die Antwort aus dem Greenteam war ganz klar: Sowohl als auch! Gerade in einer so intensiv genutzen Landschaft könnte sich eine solche Naturfläche als besonders wertvoll erweisen.

Die Lage des Grundstückes war aus unserer Sicht ideal. Nach Norden wird das Gelände begrenzt durch den recht großen Naturgarten des Spenders. Auf der Westseite befindet sich ein weitgehend der Natur  überlassenes Grundstück. Beide Flächen haben sich seit Jahrzehnten sehr strukturreich und artenreich entwickelt. Auf der Ostseite befindet sich ein großer Hof, der durch Grünflächen aufgelockert ist und auf dem mehrere großkronige Wildbäume wachsen. Südlich ist die Fläche durch einen Weinbergsweg begrenzt. So ist unser Ziel in Zusammenarbeit mit den Nachbarn eine großé Naturfläche zu entwickeln. Durch die Lage ist die Abtriftung von Spritzmittel auf diese Fläche hoffentlich unbedeutend für seine natürliche Entwicklung.

Zum Zeitpunkt der Übergabe hatte der Schenker durch den früheren Pächter die Fläche bereits roden lassen. Drähte und Stickel waren bereits entfernt und die Reben abgeschnitten und die Weinstöcke ausgepflügt.

Bei der Besichtigung des Geländes fiel auf, dass überall grüne Kunststoffbänder zur Befestigung der Reben zu finden waren. Diese mussten unbedingt entfernt werden, bevor der Boden umgebrochen wurde. Mit acht Helfern ging es erst nebeneinander in Längsrichtung und dann in Querrichtung über die Fläche. Am Ende hatte das Team zwei große Eimer voll Kunststoffbändern eingesammelt. Bei der Besichtigung anderer Weinberge und Wege konnte das gleiche Problem entdeckt werden. Hier entsteht offensichtlich immer deutlicher eine Belastung der Böden durch Kunststoffe, für die eine Lösung gefunden werden muss.

Der nächste Arbeitsschritt bereitete nun sichtlich mehr Freude. Der frühere Pächter hatte der Pollichia einen großen Teil der Rebstöcke überlassen. Diese wurden eingesammelt und entlang des Wirtschaftsweges damit eine Abgrenzung in Form einer Benjeshecke aufgebaut.

Anschließend wurde die Fläche umgebrochen und eingeebnet. Nun stellte sich die Frage, welche Sträucher und Bäume sollten gepflanzt werden. Bewusst hat sich die Gruppe gegen die Anlage einer Streuobstwiese entschieden. Es sollten ausschließlich Wildformen wie Holzapfel, Mehlbeere, Eberesche, Felsenbirne usw. gepflanzt werden. Die Bäume und Sträucher wurden bei der Wildpflanzengärtnerei STRICKLER bestellt und dann sorgfältig eingepflanzt und durch Pfähle gesichert. Da der Sommer ab Juni sehr heiß und trocken war, musste mehrmals sehr intensiv gegossen werden. Hier gilt unser Dank auch dem Schenker, der uns das Wasser bereit stellte und uns beim Gießen immer wieder tatkräftig unterstützte. Dadurch sind alle Bäume und Sträucher angewachsen und haben sich schon kräftig entwickelt.

Im nächsten Schritt erhielt die Ortsgruppe von der VG Edenkoben im Rahmen der Aktion „Blühende Landschaften“ einen Sack Wildblütensämereien. Dabei handelte es sich um eine mehrjährige Honigpflanzenmischung Süd, der Firma Riegler-Hofmann. Nun wurde der Wetterbericht beobachtet und vor den kräftigen Mairegenfällen das Saatgut per Hand in den Boden eingebracht.  Schon vierzehn Tage später sprießten die ersten Keimlinge. Besonders reich entwickelten sich Kornblumen und Buchweizen. Natürlich waren auch Ackerwildkräuter wie Melde gekeimt, was aber der Vielfalt nicht schadete. Viele Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge konnten den Sommer über beobachtet werden, die das reiche Blütenangebot nutzten.

Der Wirtschaftsweg südlich des inzwischen zur Naturfläche gewordenen ehemaligen Weinbergs

wird auch viel von Radfahrern und Wanderern genutzt. Oft konnte man beobachten, dass Personen stehen blieben und das Gelände betrachteten. Dies veranlasste uns dazu ein Schild anzubringen, auf dem die Betrachter erfahren können, welche Entwicklungsziele sich die Ortsgruppe der Pollichia für diese Fläche gesetzt hat.

Inzwischen ist der Winter über die Fläche gegangen und viele Vögel haben bei ihrem Besuch reichlich von den Wildsämereien genascht. In den Blütenstängeln haben hoffentlich viele Insekten ihre Eier abgelegt und im März, April verlässt nun eine neue Generationen die Pflanzenstängel und bereichert wieder die Artenvielfalt.

Nun geht die Arbeit auf der Fläche wieder weiter und wir hoffen viele interessante und spannende Naturbeobachtungen zu machen. Text und Fotos: Günther Hahn Pollichia Edenkoben